Was ist Auxerrois
Auxerrois (Pinot-d´Auxerrois) ist eine weiße Burgunder-Rebsorte, deren Name auf die historische Region Auxerrois in Burgund zurückgeht. Erste Hinweise aus der ampelographischen Forschung (Rebsortenforschung) deuten darauf hin, dass Auxerrois im Mittelalter durch eine natürliche Kreuzung entstand. Vermutlich kreuzten sich Weißburgunder und Weißer Heunisch (Gouais Blanc). DNA-Analysen aus den 1990er Jahren belegen, dass Auxerrois und Chardonnay dieselben Eltern haben und somit Vollgeschwister sind. Pinot Blanc hingegen entstand als Mutation des Pinot Noir und unterscheidet sich genetisch von Auxerrois.
Woher kommt Auxrrois
Im späten 17. Jahrhundert brachten Hugenotten aus Burgund die Sorte an die Obermosel, nach Luxemburg und ins Elsass. Regionale Archivquellen erwähnen die Rebsorte im frühen 18. Jahrhundert. Im 19. Jahrhundert galt Auxerrois als widerstandsfähige Weißweinsorte mit guter Ertragsleistung. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schwankte die Anbaufläche im Elsass stark. Erst mit der Umsetzung gezielter Pflanzprogramme in den 1980er Jahren stabilisierte sie sich wieder auf über 2 000 Hektar. Moderne DNA-Analysen aus den Jahren 2002 und 2011 belegen die genealogische Zugehörigkeit der Sorte.
Verbreitung und Anbaugebiete (Stand 2023)
· Frankreich (Elsass, Lothringen): ca. 2 350 ha, nach Riesling und Pinot Blanc die drittwichtigste Weißweinsorte in der Region.
· Luxemburg (Mosel): rund 180 ha, vor allem am oberen Mittel- und Oberlauf der Mosel.
· Deutschland: etwa 260 ha, verteilt auf Baden, Pfalz, Mosel und Rheinhessen.
· Weitere Anbaugebiete: Kleinere Bestände finden sich in Österreich, Südtirol, der Schweiz, England und British Columbia.
Terroir und Weinbau
Auxerrois gedeiht bevorzugt auf kalkreichen, gut drainierten Böden. Auf Muschelkalkböden zeigen Auxerrois Weine eine ausgeprägte Mineralität sowie Aromen von Pfirsich und Mirabelle. Auf Ton- und Schieferlagen entwickelt die Rebsorte dagegen eine feinere Säurestruktur und Aromen von grünem Apfel. In kühleren Lagen reift die Sorte früh, liefert Mostgewichte um 80–95 °Oechsle (Zuckergehalt im Traubenmost) und garantiert so eine ausgewogene Balance. Aufgrund ihrer Anfälligkeit für Graufäule begrenzen Winzer den Ertrag bei Auxerrois in der Regel auf 60 bis 70 Hektoliter pro Hektar. Zur Gesunderhaltung der Reben kommen gezielte Laubarbeiten sowie integrierte Pflanzenschutzmaßnahmen zum Einsatz.
Kellerwirtschaft und Vinifikation
Bei den meisten Erzeugern gären die Moste temperaturkontrolliert im Edelstahltank. Dies bewahrt die Frische und Klarheit der sortentypischen Aromen. Die Moste lagern anschließend drei bis sechs Monate auf der Feinhefe. Sie verbessert die Textur des Weins und verleiht ihm eine dezente cremige Note. Spitzenbetriebe ergänzen den Ausbau häufig durch eine teilweise Gärung oder einen Teil des Ausbaus in Holzfässern. Diese Methode verleiht dem Wein zusätzliche Komplexität und bringt feine Würznoten zur Geltung. Darüber hinaus setzen immer mehr Winzer auf die spontane Vergärung mit natürlich vorkommenden Hefen, um Terroirmuster stärker hervorzuheben. In der Schaumweinproduktion des Crémant d’Alsace fließt Auxerrois mit einem Anteil von bis zu 40 % in die Cuvée ein. Die Rebsorte trägt zur feinen Perlage und zur typischen Fruchtigkeit des Schaumweins bei.
Wie schmeckt Auxerrois
Charakteristisch für Auxerrois ist eine strohgelbe Farbe. Die Rebsorte weist ausgeprägte Primäraromen von Birne, Mirabelle, grünem Apfel und reifem Pfirsich auf. Mit zunehmender Reife entwickeln sich Honignoten, Mandelnuancen und feine Blütenaromen (zum Beispiel Lindenblüte). Die Säurestruktur ist harmonisch und moderat, was den Weinen ein frisches Mundgefühl verleiht. Regionale Ausprägungen von Auxerrois variieren erheblich. Im Elsass finden sich florale und fruchtige Stile. An der Mosel dominieren mineralisch-zitronige Varianten. In der Pfalz und Baden entstehen cremige, vollmundige Weine.
Herausforderungen
Obwohl Winzer Auxerrois aufgrund ihrer Frühreife und Anpassungsfähigkeit schätzen, stellt sie die Rebsorte dennoch vor Herausforderungen. Die Rebsorte ist anfällig für Botrytis (Graufäule), was ein sorgfältiges Traubenmanagement und regelmäßige Kontrollen des Gesundheitszustands der Trauben verlangt. Zudem konkurriert Auxerrois in traditionellen Anbaugebieten oft mit bekannteren Sorten wie Riesling und Pinot Blanc um Flächen und Aufmerksamkeit. Weil Genossenschaften und kleine Weingüter unterschiedliche Qualitätsansprüche haben, entsteht ein uneinheitliches Bild der Rebsorte.
Zukunftsperspektiven
Die frühe Reife und das frische Säureprofil machen Auxerrois zunehmend interessant für wärmere Klimaregionen und neue Weinbauländer. Winzer in England und British Columbia experimentieren derzeit mit biologischem Anbau. Sie testen auch verschiedene Ausbaustile, um das Potenzial der Sorte zu erkunden. Forschungseinrichtungen prüfen gleichzeitig neue Klone und angepasste Weinbautechniken. Ziel ist es, den Sortencharakter unter den Bedingungen des Klimawandels zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Auxerrois Weine bei WEiNDOTCOM
Ein hervorragendes Beispiel für das Potenzial von Auxerrois ist der Klumpp Auxerrois aus dem Kraichgau. Der Wein vergor und reifte vollständig im Edelstahltank. Dies betont die Frische und Fruchtigkeit der Rebsorte und lässt diese besonders klar zur Geltung kommen. In der Nase zeigt er Aromen von Aprikose, Mirabelle und Quitte. Ergänzt wird das Aromenspektrum durch zarte tropische Fruchtnoten und einen Hauch frischer Kräuter. Am Gaumen überzeugt er mit klarer Struktur, feiner Mineralität und einem eleganten, lang anhaltenden Abgang. Der Klumpp Auxerrois ist ein idealer Begleiter zu gebratenem Fisch und milden Käsesorten.